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Teil 2
Die krank machende und die heilende Kraft unserer Gedanken
„Ich führe ein einfaches natürliches Leben. In mir befindet sich ein Jungbrunnen. Ich strahle vor Freude. ... Ich erfreue mich der Freiheit und Schönheit, des Muts und inneren Gleichgewichts, sowie guter Gesundheit.“, so schreibt Swami Sivananda in seiner Autobiographie. Nicht jeder Leser wird sich ähnlich glücklich schätzen können, wie es Sivananda von sich erzählt. Deshalb sollen in der Fortführung unserer Artikelserie die Erkenntnisse des indischen Heiligen Swami Sivananda zum Thema Gesundheit, Krankheit und Heilung zur Anschauung gebracht werden und jedem Interessierten zu gute kommen.
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Das Leben und Wirken von Swami Sivananda
Sivananda lebte von 1887 bis 1963 in Indien. Bekannt geworden ist er im Westen vor allem durch die Sivananda Yogaübungs Praxis. Einige kurze Ausschnitte aus seiner Autobiographie mögen einen kleinen Einblick in die Seele dieses außergewöhnlichen Menschen geben: „Ich entwickle viele Tugenden.“ „Ich arbeite allezeit hart.“ „Arbeit schenkt mir Wonne. Dienen schenkt mir Freude.“ „Ich frohlocke im Geben. Ich gebe immer.“ „Ich bin bescheiden und einfach.“ „Ich verehre das Selbst zu jeder Zeit. Ich arbeite für das Wohl anderer.“ „Ich achte alle Heiligen und Propheten aller Religionen.“ „Vollkommenes Vertrauen in Gott zu haben, meinen Nächsten als mein eigenes Selbst zu lieben, Kühe, Tiere, Frauen und Kinder zu beschützen sind meine Ziele.“
Interessanterweise war Sivananda Arzt bevor er Mönch (Swami) wurde und so finden wir in seinen Schriften immer wieder grundlegende Hinweise zum Thema Gesundheit und Krankheit aus spiritueller Sicht.
(Sivananda bei der Untersuchung eines Patienten)
Die Bedeutung der Gedanken des Menschen
Sowohl für die spirituelle Entwicklung als auch für die Gesundheit misst Sivananda den Gedanken des Menschen eine herausragende Rolle bei. Er war offensichtlich auch fähig, die Gedanken eines Menschen wahrzunehmen. Er schreibt hierzu:
„Jeder Gedanke besitzt Gewicht, Gestalt, Größe, Form, Farbe, Eigenschaft und Kraft. ... Gedanken sind wie Dinge. ...Gedanken sind eine große Kraft; sie bewegen, sie schaffen.“
Wie solche Gedanken z.B. farblich aussehen können, beschreibt er in dem Buch „Die Kraft der Gedanken“:
„Ein spiritueller Gedanke ist gelb. Ein Gedanke voll Zorn oder Haß ist dunkelrot; ein selbstsüchtiger Gedanke ist braun, usw.“
Die Wahrnehmung eines Gedankens in dieser Art entspricht inneren Empfindungen, die jeder Mensch schulen kann. Vielleicht hatten Sie selbst auch schon einmal im Gespräch mit einem anderen Menschen eine Empfindung, wie wenn die ausgesprochenen Gedanken beispielsweise eher dunkler oder auch heller wirken, geformter oder weniger geformt, kraftlos oder kraftvoll erscheinen. Interessant ist es einmal bewusst darauf zu achten.
Wie Krankheit entsteht
Da die Gedanken eine große Kraft und Wirkung haben, können sie sowohl Heilvolles als auch Unheilvolles für den Denkenden mit sich bringen. Sie spielen daher auch eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Krankheiten. Sivananda beschreibt diesen Vorgang Mitte des letzten Jahrhunderts in erstaunlicher Genauigkeit:
„Jede gedankliche Veränderung schafft eine Schwingung im Geistkörper*, und wenn sie an den physischen Körper weitergegeben wird, erzeugt sie Aktivität im Nervengewebe des Gehirns. Diese Aktivität in den Nervenzellen löst darin viele elektrische und chemische Veränderungen aus. Die Aktivität der Gedanken verursacht diese Veränderungen. Starke Leidenschaft, Haß, langandauernde bittere Eifersucht, nagende Angst oder Zornesausbrüche zerstören tatsächlich die Körperzellen und führen zu Erkrankungen von Herz, Leber, Nieren, Milz oder Magen.
Es ist ein beachtenswertes Faktum, dass jede Körperzelle durch jeden im Geist auftretenden Gedanken leidet oder wächst, einen Lebens- oder einen Todesimpuls erhält, denn der Mensch hat die Tendenz, in das Bild hineinzuwachsen, an das er am meisten denkt. ... Der Körper folgt dem Geist und vollzieht seine Veränderungen nach.“
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*Erklärung zu Geistkörper:
Gemäß der Erkenntnisse Sivanandas besteht der Mensch neben dem physisch sichtbaren Körper auch aus den sogenannten feinstofflichen Hüllen, den Energiekörpern (Aura). Den Teil dieser Energiekörper, in dem die Gedanken unmittelbar sichtbar sind und wirksam werden, bezeichnet er hier als Geistkörper.
In spirituellen Schulen ist als Grundprinzip, „der Weg von oben nach unten“ bekannt, also von einem Oberen, feineren Geistigen, hin zum sogenannten Unteren, Grobstofflichen des materiellen Körpers. Alles was im Geistigen seinen Ursprung hat, wie z.B. die Gedanken, wirkt sich auf den Körper aus.
So kommt Sivananda auch zu der Aussage: „Alle Krankheiten beginnen im Geist.“ (GE S. 114)
Die Entstehung von Angst (Furcht)
In obigem Zitat erwähnt Sivananda auch die Angst bzw. angstvolle Gedanken als krankheitsauslösend. Deshalb möchte ich die Entstehung der Angst mit Swami Sivanandas weisheitsvoller Sicht einmal genauer beleuchten, da sie bei den anderen krankheitsauslösenden Gedanken, wie Zorn, Haß, Eifersucht usw. meist mitbeteiligt ist.
Wichtig ist hierbei zu bemerken, wie Sivananda die ursprüngliche Natur des Menschen wahrnimmt:
„Im Urbeginn war er (der Mensch) die alldurchdringende, unsterbliche, furchtlose Seele oder Brahman, Gott.“
Mit der Geburt der göttlichen Seele in einem Körper auf der Erde hat sich jedoch offensichtlich eine Veränderung vollzogen, die folgendermaßen beschrieben wird:
„Er vergaß sein ursprüngliches göttliches Wesen und wurde vom Strudel der Unwissenheit fortgerissen. Aus dem unendlichen, furchtlosen Gott wurde das begrenzte, angsterfüllte, kleine menschliche Ich. Die Identifikation mit dem Körper, das Sich-als-Körper-Fühlen ist die Ursache der Furcht.“
Diese Aussage könnte doch für einen hier im Westen lebenden, modernen Menschen etwas ungewöhnlich und unverständlich sein, da doch der Körper die Grundvoraussetzung für das Leben zu sein scheint. Eine weitere Erklärung mag hilfreich erscheinen:
„Da er mit seinem eigenen Körper und dem Körper seiner Frau und seiner Kinder sowie mit seinem Haus und Eigentum stark verbunden ist, vermehren sich seine Ängste von Tag zu Tag. Ständig fürchtet er, sein Haus, sein Eigentum, seine Frau und seine Kinder zu verlieren. So ist Verhaftetsein die Ursache von Angst. Wo keine Bindung ist, da ist auch keine Angst. Das erste Glied in der Kette der Bindung ist das Anhaften am physischen Körper. Damit beginnen alle Arten der Bindung.“
Die Bedeutung des Körpers
Das Problem bezüglich des Körpers, so wird hier deutlich, ist also nicht der Körper an sich. Der Körper ist das natürliche Ausdrucksmittel und physische Instrument des Menschen. Für Sivananda hat der Körper und die Gesundheit des Körpers eine wichtige Bedeutung. Er vergleicht ihn mit einem Pferd, das uns in unserem irdischen Leben ans Ziel bringt. Deswegen betont er, wie wichtig es sei, diesen Körper sauber, stark und gesund zu halten. Die Problematik entsteht erst, wenn der Mensch am Körper anhaftet, sich daran bindet, weil er glaubt, er sei in erster Priorität sein Körper. So ist der Mensch genauso viel oder wenig mit seinem Körper identisch, wie der Reiter mit seinem Pferd identisch ist.
Jedoch identifizieren wir uns in der Regel mit unserem Körper, obwohl er, wie ihn das indische Bewusstsein bezeichnet, nur eine der grobstofflichen, sterblichen Hüllen unserer unsterblichen Seele ist. Mit dieser Identifikation oder Anhaftung entsteht Angst und damit eine wesentliche Grundlage für die verschiedensten Arten von Krankheiten.
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Grundlage für den Heilungsansatz
Konnten wir durch die bisherigen Gedanken von Sivananda eine Empfindung dafür entwickeln, wie unsere Gedanken und unsere Bindungen an der Entstehung von Krankheiten mitbeteiligt sind, so möchte ich nun einige Möglichkeiten aufzeigen, wie bewusst gestaltete Gedanken hin zu Angstfreiheit und Gesundheit führen können.
Der Mensch muss zur Wahrung seiner Identität zwangsläufig an Äußerlichkeiten und besonders an seinem Körper anhaften, solange er sich seiner unsterblichen Seele und damit seiner schöpferischen Kraft nicht bewusst ist. Wie ein hoffnungsvoller Aufruf zur Bewusstwerdung mögen in bezug auf das bisher Geschriebene die wissenden und kraftvollen Gedanken von Swami Sivananda anmuten:
„Du bist nicht dieser vergängliche Körper. Du bist die unsterbliche, alles durchdringende Seele.“
Im Bewusstsein für diese Existenz der göttlich-schöpferischen Seele des Menschen beginnt jeglicher spirituell orientierte Heilungsansatz.
Therapeutische Schritte
Sivananda sagt uns, dass die Krankheiten im Geist beginnen. Seine Aussage: „Behandle zuerst den Geist.“ ist richtungsweisend für die Therapie. Wir könnten nun geneigt sein, die im Geist auftretenden belastenden, schlechten Gedanken, wie Zorn, Angst, Eifersucht, Haß usw. bekämpfen und wegmachen zu wollen. Die spirituelle Weisheit Sivanandas gibt hierfür jedoch folgende Einsicht:
„Es ist schwierig die schlechten Gedanken durch direkten Angriff zu zerstören. Das beansprucht den Willen sehr stark und ist eine Verschwendung von Energie.“
„Das Positive triumphiert stets über das Negative. Das ist ein Naturgesetz. Negative, schlechte Gedanken, können vor positiven, guten Gedanken nicht bestehen. Mut triumphiert über Furcht. Geduld triumphiert über Zorn und Gereiztheit.“
Für die Entwicklung von Gedanken von Tapferkeit bzw. Mut gibt er diese konkrete Anweisung:
„Meditiere eine halbe Stunde lang über die Tapferkeit, das Gegenteil von Furcht. Denke über die Vorteile des Muts und die Nachteile der Angst nach. Praktiziere die Tugend des Muts während des Tages. Empfinde, dass du Tapferkeit schon in hohem Maß besitzt. Bringe sie im täglichen Leben zum Ausdruck. In wenigen Wochen oder Monaten wird die Angst durch Mut ersetzt sein.“
Besonders hervorzuheben ist dabei die ungewöhnliche Empfehlung: „Empfinde, dass du Tapferkeit schon in hohem Maße besitzt.“ So ist die Tapferkeit nicht nur ein Ziel das in ferner Zukunft realisiert werden könnte, sondern wird unmittelbar durch das vorherige Bilden der gedanklichen Vorstellung der Tapferkeit erlebbar und empfindbar. So kann der Mensch in ein bewusst und aktiv geschaffenes Bild hineinwachsen, wie Sivananda es ausdrückt und alle Zellen neue Lebensimpulse erhalten, die dem Bild der Tapferkeit entsprechen und somit heilsam wirken.
weltliche Gedanken - erhabene Gedanken
Um krank machende Gedanken zu reduzieren, ist es vor allem nötig weltliche Gedanken zu reduzieren und die Gedanken auf edle und göttliche Ziele auszurichten. Sivananda erwähnt das Beispiel eines reichen Mannes, der in einer großen Stadt in Spekulationsgeschäfte verwickelt ist. Durch seinen Reichtum hat er viele Annehmlichkeiten. Dennoch wird er einen ruhelosen Geist haben, weil er auf Gewinn bedacht ist und Angst vor dem Verlust hat. Damit können vermehrt die negativ wirkenden Gedanken wie Habgier, Stolz, Ärger, usw. verbunden sein. Sivananda empfiehlt daher zur Überwindung von Krankheiten, die eigenen Motive zu prüfen und die weltlichen Wünsche und Ziele zu reduzieren, in dem man den Geist auf erhabene, edle, göttliche Gedanken ausrichtet, z.B. in der Rezitation heiliger Schriften:
„Die Rezitation heiliger Schriften und Hymnen ruft ganz bestimmte Schwingungen hervor. Diese Vibrationen vernichten alle unheilvollen Vorstellungen. Viele sonst unheilbare Krankheiten, die im Gemüt der Leidenden Todesfurcht wecken, werden allein schon durch solche Schwingungen geheilt.“
Übung zum Empfinden der Gottesgegenwart
Ein Beispiel für die Rezitation heiliger Schriften bzw. Gedanken gibt Sivananda in der Übung zur Empfindung der Gottesgegenwart. Zu Beginn ist es sinnvoll das Gemüt zur Ruhe zu bringen, beispielsweise durch die Konzentration auf ein Bild einer Form Gottes oder durch das Lauschen auf das Murmeln eines Baches. Dann, so leitet er die Übung an: „sprich langsam und leise: „GOTT IST JETZT HIER.“ Wiederhole zuerst in einer tiefen meditativen Weise: „GOTT IST JETZT HIER.“ Dann entspanne dich für eine Weile und wiederhole erneut. Tue das unermüdlich, bis du ganz in deine Aussage vertieft und versunken bist. So wird die Gegenwart Gottes für dich zur Wirklichkeit.“
„Nachdem du erfahren hast: „GOTT IST JETZT HIER“, wiederhole: „SEINE GEGENWART ERFÜLLT MICH VON KOPF BIS FUSS.“ Durch diese wiederholte Äußerung machst du dir Seine Gegenwart in dir bewusst.“
„Übe auf die gleiche Art: „GOTTES GEGENWART IST FREUDE“, „GOTTES GEGENWART IST LIEBE“ und „SEINE GEGENWART IST FRIEDE“.
Für die richtige Ausführung der Übung ist die Anleitung eines erfahrenen Lehrer eine wichtige Grundlage.
Die Wirkungen der Übung beschreibt er folgendermaßen.
„Wenn du unermüdlich übst, wirst du von höchster Freude, kosmischer Liebe und ewigem Frieden erfasst werden.“
Gesellschaft von Menschen mit edlem Charakter

Der natürlichste Weg erhabene, göttliche und somit heilsame Gedanken zu verinnerlichen ist, die Gesellschaft mit Menschen zu pflegen, die diese Art zu denken bereits verwirklich haben und ausstrahlen. Dies kann in einer lebendigen persönlichen Begegnung stattfinden. Jedoch ist es auch eine Möglichkeit das Leben, die Ideale und Ziele solcher Menschen zu studieren und beispielsweise interessiert forschend die Frage zu stellen:
Wie denkt dieser Mensch?
Mit dem Schriften von und über Swami Sivananda finden wir Impressionen von einem verwirklichten Menschen mit edlem Charakter, von dem wir ein solches Denken lernen können, das die Grundlage für Selbstverwirklichung und damit auch für die Gesundheit ist.
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Buchempfehlungen und Zitate:
Swami Sivananda
Buch: Überwindung der Furcht
(Heinrich Schwab Verlag: Bild von Swami Sivananda mit freundlicher Genehmigung des Heinrich Schwab Verlages)
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Buch: Göttliche Erkenntnis
BUch: Die Kraft der Gedanken
(Mangalam Books Verlag)
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Karl Ellberg:
Buch: Swami Sivananda - Von einem, der auszog, das Glück zu verschenken
(Lammers-Koll-Verlag)
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Autor des Artikels:
Rainer Körner |